Die Spitzenkandidaten von DPolG und bgv, Heiko Teggatz und Rainer Bernard, im Gespräch mit dem Vorsitzenden des Personalrates der Polizei Hamburg, Freddi Lohse!
Heiko Teggatz: Mit viel Energie, Ausdauer und Zuversicht habt ihr es in Hamburg geschafft durch das Funktionsorientierte Laufbahnverlaufsmodell stark verbesserte berufliche Perspektiven für die Kolleginnen und Kollgen einzuführen. Welches waren die wichtigsten Fakten für den Wandel?
Freddi Lohse: Die Polizei in Hamburg befand sich in einer unerträglichen Beförderungssituation. Zum Beispiel drohten die Wartezeiten von A9 nach A10 sich auf bis zu 13 Jahren auszuweiten. Bereits im letzten Jahr hat sich dieses Problem durch das Laufbahnverlaufsmodell (LVM) deutlich entzerrt. Wir erreichen jetzt mit dem LVM eine deutlich bessere Beförderungsgerechtigkeit. Bisher war eine Beförderung dem Zufall ausgeliefert und orientierte sich in erster Linie an den Pensionszahlen.“
Rainer Bernard: Das kennen wir gut, insbesondere im mittleren Dienst sind in der Bundespolizei die Stellen-obergrenzen ausgereizt. Beförderungsstaus entstehen eigentlich vom PM bis zum PHM. Kann das LVM da helfen?
Freddi Lohse: Aber sicher, bei uns in Hamburg konnten wir im zurückliegenden Jahr 2232 Beförderungen erzielen. Ohne LVM wären auch bei uns zahlreiche Beförderungsmöglichkeiten im sogenannten Flaschenhals stecken geblieben. Es wurde Beförderungsgerechtigkeit erreicht und dem Leistungsgedanken Rechnung getragen. Das Beste ist jedoch: Jetzt gibt es bei uns in Hamburg eine verlässliche Beförderungsentwicklung, die nicht mehr von Pensionswellen abhängig ist.
Heiko Teggatz: Das LVM beschreibt eine prüfungsfreie Berufsentwicklung vom PM bis zum PHK. Hattet ihr damit keine laufbahnrechtlichen Probleme?
Freddi Lohse: Natürlich gab es während der Entwicklung und bis heute die üblichen Bedenkenträger. Wir hatten Glück, dass der damalige Innensenator, der Polizeipräsident aber auch die Verantwortlichen in der Politik mutig waren. Zusammen haben wir in Deutschland die bisher einmalige Strukturreform im Polizeivollzugsdienst gemeistert. Das LVM ist zwar prüfungsfrei, jedoch durch mehrfache Qualifizierungen in 5 verschiedenen Funktionskreisen durchaus leistungsorientiert. Im übrigen möchte ich an dieser Stelle auch gerne meiner Gewerkschaft, der DPolG, danken, die den Prozess nicht nur ganz intensiv mit begleitet, sondern auch entschieden mit entwickelt hat.
Rainer Bernard: bgv und DPolG strengen sich zur Zeit in der Bundespolizei ebenfalls an, möglichst bald von dem bisherigen Modell eines sogenannten Attraktivitätsprogramms II auf das von uns bevorzugte LVM BPol umzustellen. Worauf sollten wir besonders achten?
Freddi Lohse: Zunächst einmal möchte ich euch ermutigen, euer Ziel ersthaft zu verfolgen. Meine Erfahrung ist, um so transparenter dieses Modell einer ganz neuen Beförderungsstruktur wird, um so stärker erkennen die Entwickler und die Kolleginnen und Kollegen auch die Vorteile des neuen Systems.
Von vorne herein sollte dabei allen klar sein, dass das LVM auch auf Leistung setzt. Leistung in Form von Berufserfahrung und berufsbegleitende Qualifikationsmaßnahmen. Beförderungen erfolgen zwar nach bestimmten Verweildauern, wobei leistungsabhängig sowohl Verlängerungen als auch Verkürzungen in allen Besoldungsgruppen möglich sind.
Heiko Teggatz: Wie schaut es bei euch mit Beurteilungen aus?
Freddi Lohse: Regelmäßige Beurteilungen erfolgen in der Polizei Hamburg alle 4 Jahre. Das Positive ist jetzt jedoch, dass Leistung wieder als solche beschrieben werden kann und die Beurteilungen nicht ausschließlich nur ein Instrument zur Beförderung sind. Ich empfinde auch in diesem immer kritisch betrachteten Prozess der Leistungsbeschreibung eine deutliche Entlastung unter den Kolleginnen und Kollegen. Entlich kann die Leistung jetzt wieder kontinuierlich angemessen beschrieben werden. Übrigens sollte aus meiner Sicht nicht nur die Beurteilung durch Vorgesetzte als einziges Leistungselement in die Bewertung für eine Laufbahnentwicklung ausschlaggebend sein. Das, was unsere Kolleginnen und Kollegen auch in der Bundespolizei Tag für Tag und Wochenende für Wochenende im Einsatz oft in wenigen Sekunden richtig zu entscheiden haben, ist echte Leistung. Deshalb ist es mehr als richtig, dass ein Beförderungssystem auch die Berufserfahrung als festes Leistungskriterium angemessen berücksichtigt. Unser LVM in Hamburg und ich hoffe auch bald euer LVM BPol in der Bundespolizei berücksichtigen dieses praktische Leistungsmerkmal besonders.“
Rainer Bernard: Seit mehr als einem Jahr ist das LVM in Hamburg eingeführt. Wie bewerten die Kolleginnen und Kollegen das neue System?
Freddi Lohse: Ich maße mir nicht an, die Stimmung jeder einzelnen Kollegin oder jedes Kollegen zu kennen. Dennoch habe nicht nur ich, sondern auch meine Mitstreiter schon das Ohr an der Basis. Ohne alles durch die rosa rote Brille zu beschreiben, erkenne ich jedoch deutlich eine Verbesserung für die Polizei in Hamburg. Alleine wenn ich daran denke, dass zukünftig die Polizeiarbeit in Hamburg dazu führt, wenigstens im Amt eines PHK in Pension zu gehen, haben wir durch das LVM ein ganz wichtiges Ziel erreichen können.
Also, nichts wie ran, die Einführung des LVM ist endlich mal eine Reform, die ihren Namen verdient hat und die für die Polizeikolleginnen und -kollegen gut ist. Eine Reform, für eine gerechtere und berufsangemessene Bezahlung in der Polizei bei der man bei Beförderungen nicht nur Zuschauer ist, sondern auch in geregelten Abständen die Hauptrolle spielt.
Heiko Teggatz: Alleine wenn ich daran denke, dass nicht einmal 20 % meiner Kolleginnen und Kollgen im Kontroll- und Streifendienst über das Attraktivitätsprogramm II der Bundespolizei die Chance erhalten in den gehobenen Dienst aufzusteigen, brauchen wir dringend ein Systemwechsel. Herzlichen Dank für das Gespräch!
Rainer Bernard: Ebenfalls herzlichen Dank, ich bin sicher, du bleibst uns ein guter Wegbegleiter!