16. September 2025

Kundgebung in Saarbrücken

„Gewalt ist bittere Realität im täglichen Einsatz“

Sie werden bepöbelt, bespuckt und angegriffen. Jeden Tag werden im Durchschnitt 300 Polizeikräfte Opfer von Gewalt. Nach dem Tod des saarländischen Kollegen Simon B. vor wenigen Wochen, fand nun in Saarbrücken eine Kundgebung für mehr Respekt und gegen Gewalt gegen Einsatzkräfte, statt.

„Ich lebe meinen Traumberuf, doch die Gewalt in meinem Dienst frisst mich regelrecht auf.“ Es sind die Worte eines Polizeibeamten, die an diesem Montagnachmittag bei der Kundgebung „Keine Gewalt gegen die Polizei – keine Gewalt gegen die Blaulichtfamilie!“ in Saarbrücken zusammenfassen, was viele Polizeibeamten fühlen. Gewalt gehöre längst zum Polizeialltag und sei keine Ausnahme mehr. Kollegen würden verletzt und „der Täter läuft uns in den nächsten Tagen wieder lachend über den Weg.“

Es sind die Worte eines Polizeibeamten aus dem Saarland, die an diesem Montagnachmittag bei der Kundgebung auf dem Tbilisser Platz, verlesen werden. Worte mit viel Bedeutung.

Rund 250 Menschen kamen zusammen, um ein Zeichen gegen Gewalt gegen Einsatzkräfte zu setzen. Organisiert wurde die Kundgebung von der Gewerkschaft der Deutschen Polizei (GdP) gemeinsam mit der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) und dem Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK).

Die Polizei steht im ständigen Spannungsfeld zwischen Politik und Gesellschaft und bekommt oftmals die Unzufriedenheit der Bürger über politische Entscheidungen, ab. Respektloses Verhalten und physische und psychische Gewalt gegen Polizisten nehmen immer weiter zu. Laut dem Bundeslagebild des Bundeskriminalamtes (BKA) steigen die Fallzahlen in Deutschland seit 2017 kontinuierlich an. Ein Höchststand folgt dem nächsten - Jahr für Jahr.

Zuletzt kam es bundesweit zu insgesamt 46.200 Fällen von Gewalt gegen die Polizei, sprich: Jeden Tag werden durchschnittlich 300 Polizeikräfte Opfer von Gewalt. Mit dem Mord an unserem Kollegen Simon B. in Völklingen erreicht diese Entwicklung den tragischen und erschütternden Tiefpunkt eines dramatischen Werte- und Moralverfalls. Für die Deutsche Polizeigewerkschaft steht fest, dass die erschreckende Entwicklung der vergangenen Jahre umgehend ein Ende finden muss.

Doch nicht nur Polizisten werden immer häufiger Opfer von perfiden Gewalttaten, sondern die gesamte Blaulichtfamile - ob Einsatzkräfte aus dem Rettungsdienst, der Feuerwehr, dem THW oder dem Ordnungsamt. Das Problem ist zwar nicht neu, aber es wächst stetig.

Der Landesvorsitzende der DPolG Saarland, Markus Sehn, macht auf der Kundgebung klar:  „Gewalt gegen Polizistinnen und Polizisten ist längst keine Ausnahme mehr, sondern bittere Realität im täglichen Einsatz. Deshalb brauchen wir eine klare gesellschaftliche Haltung: Wer die Polizei angreift, greift uns alle an. Nur mit echtem Rückhalt und klarer Unterstützung können unsere Kolleginnen und Kollegen ihren schwierigen Auftrag erfüllen.“ Und: Wertschätzung brauche mehr als leere Floskeln. Es müssten dringend Taten folgen.

Maßnahmen könnten etwa die Unterstützung durch eine amtsangemessene Alimentation, ausreichendes Personal und moderne und praxisnahe Aus- und Fortbildung, sein. Um nur einige Beispiele zu nennen. Denn die Herausforderungen werden immer größer, dieTäter brutaler und der Alltag für Polizisten immer gefährlicher.

 

„Vor zwei Jahren hatte ich einen Einsatz, nach dem ich nicht mehr derselbe war“

Besonders bewegend war der Auftritt von Michael Kunz, seit 40 Jahren im Rettungsdienst, seit zwei Jahren nicht mehr der Mensch, der er mal war, so sagt er. Es war ein Routineeinsatz, nach dem nichts mehr wie früher war.

Ein bekannter drogenabhängiger Mann randalierte bei der Fahrt im Rettungswagen und versuchte Kunz Kollegin am Hals zu würgen. Kunz hielt an, öffnete die Fahrzeugtür und der Mann sprang heraus. Zunächst lies er sich wieder in den RTW führen, doch dann eskalierte die Lage.

Plötzlich trat der Mann mit voller Wucht in Kunz Gesicht. „Einmal, zweimal, dreimal. Dann wurde ich bewusstlos. Und er trat weiter auf mich ein“, erzählt Kunz. Während er seine Geschichte erzählt, bricht seine Stimme mehrmals ein. Tränen laufen über sein Gesicht.

Es ist die Geschichte eines Mitglieds unserer Blaulichtfamilie, die verdeutlicht: Eine Tat hört nicht auf, wenn sie faktisch vorbei ist. Und auch nicht, wenn ein Urteil gesprochen wird. Solche furchtbaren und traumatischen Erlebnisse bleiben für immer. Michael Kunz ist kein Einzelfall. Klar ist: Es muss sich etwas verändern. Echter Rückhalt, nicht nur haltlose Worte und Beileidsbekundungen von Seiten der Politik. Worten müssen Taten folgen! 

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