EUDI-Wallet – schon gehört?
Wer jetzt große Augen macht, dem geht es wahrscheinlich nicht anders als dem überwiegenden Teil der Kolleginnen und Kollegen. Wir sprechen bei der EUDI-Wallet von einer digitalen Brieftasche und damit auch von einer digitalen Identität. Es handelt sich um ein Projekt der EU, an dem bereits seit mehreren Jahren gearbeitet wird.
Alle EU-Staaten sind verpflichtet, die technischen Voraussetzungen zu schaffen, um ihren Bürgerinnen und Bürgern einen digitalen Identitätsnachweis, also über das Smartphone, zu ermöglichen. Allerdings nicht erst in fünf Jahren, sondern bereits bis Ende 2026. In Deutschland ist der Start der staatlichen Wallet für den 2. Januar 2027 vorgesehen.
Unseren Recherchen zufolge arbeiten alle Staaten an einer Lösung – jeder für sich. Einige werden bereits bestehende Apps erweitern, andere etwas Neues entwickeln. Eine einheitliche App für alle wird es nicht geben.
Bei allen, die tagtäglich Identitätsdokumente in den Händen halten, dürften jetzt die Alarmglocken schrillen. Denn die Gretchenfrage lautet natürlich: Wie kann ich sicher sein, dass das digitale Dokument, das mir jemand auf seinem Smartphone zeigt, kein Fake ist?
Ist das, was ich sehe, überhaupt eine Urkunde? Welche Fälschungsmerkmale gibt es? Oder gibt es überhaupt welche, die ich erkennen kann? Und wenn nicht mit bloßem Auge, welche Hilfsmittel stehen mir dann zur Verfügung?
Da auf den internen Informationskanälen bislang noch nichts zu hören war, haben wir im Bundespolizeipräsidium nachgefragt. Zunächst bei der Abteilung 3, anschließend bei der Abteilung 2. In einem gemeinsamen Gespräch mit beiden Abteilungen konnten wir nun den Impuls setzen, abteilungsübergreifend über den aktuellen Sachstand und die weiteren Schritte zu informieren.
Wir sind gespannt!
Was bedeutet die EUDI-Wallet für Personenkontrollen der Bundespolizei?
Bei Kontrollen werden Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamte mit und ohne vertieftes Urkundenwissen eingesetzt. Sie legen ein Dokument auf das Lesegerät, und je nach Auflagedauer kann es dabei zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Das muss man allerdings wissen und das angezeigte Ergebnis entsprechend auswerten können!
Da dieses Wissen konzeptionell nicht für alle Kräfte einheitlich geregelt ist und selbst wenn es so wäre, eine kontinuierliche Schulung Tausender Kolleginnen und Kollegen im Kontrolleinsatz kaum vorstellbar ist, braucht es an dieser Stelle dringend technische Unterstützung.
Verschiedenste Dokumente mit immer neuen Fälschungsmethoden, die Einführung der elektronischen Akte in Strafsachen, das Entry-Exit-System, ein neues Bundespolizeigesetz mit weitreichenden Änderungen, neue und bessere Führungs- und Einsatzmittel …
Mit der digitalen ID ist aus unserer Sicht das Maximum dessen überschritten, was sich ein Polizeibeamter überhaupt noch merken kann. Also kann und muss (!) auch hier ein elektronischer Helfer eine praktikable Lösung bieten.
Es braucht dringend eine Unterstützungs-App für die Kontrolle!
Mit diesen Gedanken haben wir uns ebenfalls an die Abteilungen 2 und 3 gewandt. Dort scheinen unsere Überlegungen auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein, denn sowohl bei der Problembeschreibung als auch in der gemeinsamen Diskussion gab es keine strittigen Ansichten.
Wir hoffen, dass unser Impuls in absehbarer Zeit zu einer technischen Lösung führen wird!
Nice to know: Die deutsche EUDI-Wallet heißt d-you!
Quelle: bmds-bund.de
